Ein bewegender Theaterabend voller Tiefe, Mut und musikalischer Strahlkraft

Die 8. Klasse der Waldorfschule hat mit ihrer Inszenierung des Musicals „Anatevka“ ein eindrucksvolles und berührendes Theatererlebnis geschaffen. Mit großer Ernsthaftigkeit und Hingabe näherten sich die überwiegend 14-jährigen Schülerinnen und Schüler den zentralen Themen Tradition, Veränderung und Zusammenhalt – und steigerten sich dabei von Aufführung zu Aufführung spürbar.

Das Ensemble überzeugte durch starke Bühnenpräsenz, feine Zwischentöne und eine bemerkenswerte Geschlossenheit. Besonders eindrucksvoll war das Spiel des Tevje (Nepomuk Wallmeier/ Louis Sacotte), des Milchmanns und Vaters von fünf Töchtern, der die innere Zerrissenheit zwischen Tradition und Aufbruch mit großer Intensität verkörperte. Auch Zeitel (Maya März), die älteste Tochter, wurde differenziert und ausdrucksstark dargestellt. Sowie Perchick, der Student aus Kiew, besetzt durch Jonathan Möller war grandios. Doch nicht nur die Hauptrollen, insgesamt zeigte sich eine bemerkenswerte Leistung auf hohem Niveau.

Auch gesanglich beeindruckte die Klasse mit klangvollen Chorsätzen und ausdrucksstarken Solostimmen, in denen viele über sich hinauswuchsen. So etwa bei dem Stück „Matchmaker“, das von den Töchtern Chava und Hodel – alias Linnéa Holve und Eileen Kredler, mutig und eindrücklich dargeboten wurde. Einen besonderen Glanzpunkt setzte der „Fiddler on the Roof“: Der Viertklässler Alwin Feiten verlieh mit seinem Geigenspiel von der Empore der Inszenierung eine eindringliche, fast poetische Dimension. Für lebendige und humorvolle Momente sorgte das Lied „If I Were A Rich Man“, das mit schwungvoller Choreographie und „Augenzwinkern“ und dargeboten wurde.

Die dichte Atmosphäre entstand aus dem präzisen und fein abgestimmten Zusammenspiel aller Beteiligten. Auch die musikalische Begleitung trug wesentlich zum Gelingen des Abends bei: Sie wurde vom Klassenorchester sowie von Haymo Kunz und Klassenlehrerin Liz Gold getragen und verlieh der Inszenierung zusätzliche Lebendigkeit.

Besonders hervorzuheben ist zudem die gelungene Einbindung der Schülerinnen und Schüler mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot, die selbstverständlich und tragend Teil des Ensembles waren.

Große Anerkennung gilt dem engagierten Klassenteam Liz Gold und Klaus Semdner, das die jungen Menschen intensiv begleitet hat. Regisseur Johann Diehl führte mit Feingefühl und künstlerischer Klarheit, während Johannes Edelhoff in der musikalischen Leitung entscheidend zum hohen Niveau beitrug.

So entstand ein Theaterabend von beeindruckender Geschlossenheit und Ausdruckskraft – ein starkes Beispiel dafür, was gemeinsames künstlerisches Arbeiten bewirken kann.